Manche würden es schwülstig nennen, jenes Gedicht von Richard Demel, das Arnold Schönberg zur Vorlage für die „Verklärte Nacht“ diente. Der Komponist verteidigte das Poem „wegen seiner bemerkenswerten moralischen Haltung bei der Behandlung eines erschütternd schwierigen Problems: Bei einem Spaziergang in einem Park in einer klaren, kalten Mondnacht bekennt die Frau dem Mann in einem dramatischen Ausbruch eine Tragödie.“ Sie trägt das Kind ihres ungeliebten Ehemanns unter dem Herzen, während sie doch ihren Freund liebt. Dieser bekennt sich am Ende zum Kind des anderen. Die Nacht der Tragödie verwandelt sich in eine „verklärte Nacht“. Nicht nur Schönberg hat dem üppigen Klang der Streicher eine solche Liebestragödie anvertraut: Brahms schrieb sich mit seinem zweiten Streichsextett frei von seiner letzten Liebe Agathe von Siebold, Zemlinsky schmachtete in Quintett-Tönen nach der wunderschönen Alma Schindler, spätere Mahler.
Brahms: Streichsextett in G, op. 36
Zemlinsky: Zwei Sätze für Streichquintett
Schönberg: Streichsextett „Verklärte Nacht“, op. 4
Hyperion Ensemble