Von Franz Grillparzer.
Gregor:
„Dein Wort soll aber sein: Ja, ja; nein, nein.“
Für Gregor, Bischof im Frankenland zur Zeit der Merowinger, ist die Lüge das schlimmste Übel der menschlichen Natur. Dies trichtert er auch seinem Küchenjungen Leon ein, der sich anbietet, Gregors Neffen Attalus aus der germanischen Kriegsgefangenschaft zu befreien. Leon bezweifelt, dass er Gregors „Weh dem, der lügt!“ in seiner Unbedingtheit entsprechen kann; dennoch versucht er, Attalus unter strikter Einhaltung der Wahrheit zu befreien. Er lässt sich als Koch beim Grafen Kattwald, der Attalus gefangen hält, anstellen, und macht keinen Hehl aus seinem Plan, den Franken zu befreien. Doch gerade diese dreiste Ehrlichkeit führt dazu, dass niemand seine Worte ernst nimmt. Kattwalds Tochter Edrita, die gegen ihren Willen mit dem dummen Galomir verheiratet werden soll, wird zu seiner Verbündeten; sie hilft ihm, Attalus zu befreien, und schließt sich den beiden Männern auf ihrer Flucht von Kattwalds Hof an. Unterwegs stoßen die drei auf eine Reihe von Hindernissen, die es ihnen schwer machen, das bischöfliche Wahrheitsgebot nicht zu verletzen. Schließlich wird Leon eine letzte Prüfung der Wahrhaftigkeit abverlangt: das Geständnis seiner Liebe zu Edrita. Weh dem, der lügt! wurde 1839 am Hofburgtheater uraufgeführt. Im Zentrum des Stücks steht die Frage, ob eine absolute Norm – das Gebot, stets die Wahrheit zu sagen – den Anforderungen der Wirklichkeit tatsächlich standhalten kann und ob die beiden Welten, die in Grillparzers Stück aufeinander treffen – die Lichtwelt des Bischofs und die Schattenwelt des Grafen Kattwald – nicht letztlich dieselben Eigenschaften bergen. Der junge Regisseur Tobias Kratzer, Preisträger in sämtlichen Kategorien beim Grazer Ring Award 2008, führt mit Grillparzers komödiantisch-philosophischem Märchenspiel zum ersten Mal Regie am Schauspielhaus Graz.
Zum Autor
Franz Grillparzer, geb. 1791 in Wien, gest. 1872 ebenda. Studium der Rechte, Eintritt in den österreichischen Staatsdienst. 1832 bis 1856 Direktor des Hofkammerarchivs. Grillparzer ist einer der bedeutendsten Vertreter der nachklassischen Dichtung. Hauptwerke: Das Goldene Vlies (1821), König Ottokars Glück und Ende (1825), Des Meeres und der Liebe Wellen (1831), Weh dem, der lügt! (1838) und Libussa (posthum 1874).
Zum Regisseur
Tobias Kratzer, geb. 1980 in Landshut, studierte Schauspiel- und Musiktheaterregie an der Bayerischen Theaterakademie, inszenierte dort u. a. Bunbury und La Traviata. Stipendiat der Masterclass Schauspiel der Salzburger Festspiele, Finalist des Europäischen Opernregiepreises. 2008 erhielten er und sein Ausstatter Rainer Sellmaier den 1. Preis und alle Sonderpreise des Grazer Ring Awards für Rigoletto. Jüngste Arbeiten: Benjamin Brittens Ein Sommernachtstraum (Nationaltheater Weimar), Cosí fan tutte (Bayerische Staatsoper).
Besetzung:
Regie: Tobias Kratzer
Bühne und Kostüme: Rainer Franz Sellmaier
Dramaturgie: Regina Guhl
Bischof Gregor, Graf Kattwald: Franz Xaver Zach
Atalus, sein Neffe: Jan Thümer
Leon, ein Küchenjunge: Florian Köhler
Edrita: Sophie Hottinger
Galomir, ihr Bräutigam: Thomas Frank
Hausverwalter, Schaffer: Franz Solar
Pilger, Fährmann: Dominik Warta
Premiere: 22. Jänner 2010, 19:30 - 21:15 Uhr
26., 27., 30. Jänner 2010, 19:30 - 21:15 Uhr
31. Jänner 2010, 15:00 Uhr
4., 12. Februar 2010, 19:30 - 21:15 Uhr
3., 20. März 2010, 19:30 - 21:15 Uhr
16., 23. April 2010, 19:30 Uhr
5. Mai 2010, 19:30 Uhr
17. Juni 2010, 19:30 Uhr