„Zentrales Leitmotiv von Imperium ist das ‚Ich‘ und seine Position im gegenwärtigen Denken, zentrale Figur ist ein egozentrischer Machthaber aus dem Rotlichtmilieu. Ein interessantes Milieu, nicht weil es so anders als der Rest der Gesellschaft, sondern weil es so ähnlich ist. Ein zugespitzter Spiegel dessen, was Gesellschaft ausmacht.“ (Götz Spielmann)
Wessely, ein erfolgreicher Bordellbesitzer, hält die Fäden, an denen sein geschäftliches und privates Imperium hängt, fest in den Händen. Alles ist erreicht, die Konten sind prall gefüllt, seine elf Vergnügungsetablissements blühen. Wesselys Frau, eine ehemals berühmte Tänzerin, hat durch ihr Grundkapital das Imperium mitbegründet. Ihre gemeinsame Tochter studiert Cello und soll ebenfalls Künstlerin werden. Bei einer Routineuntersuchung wird Wessely mit der Diagnose einer unheilbaren und schnell fortschreitenden Krankheit konfrontiert. Mit dem Wissen um seinen baldigen Tod nimmt er sich selbst und sein Umfeld zum ersten Mal mit geschärften Sinnen wahr: Sein Geschäft ist schon längst von der Übernahme durch Investoren bedroht, im Zentrum der Verschwörung steht seine langjährige Geliebte Anita. Zum ersten Mal in seinem Leben richtet dieser Prototyp eines männlichen Super-Egos seinen Blick nach innen. Diese innere Welt beginnt Realität anzunehmen und die äußere zu überwuchern. In der Arztpraxis begegnet Wessely einer Frau, die ihn stark an seine frühere Geliebte Xenia erinnert – ebenso wie der junge Doktor plötzlich eine gespenstische Ähnlichkeit mit seinem engsten Mitarbeiter aufweist. Er taucht ein in diese zweite Welt, in der die Frauen seines Lebens – allen voran Xenia – die Führung übernehmen. Sie ergreift mehr und mehr Besitz von ihm und zeigt ihm schließlich den Weg, die Grenze vom Leben zum Tod zu überschreiten. Auf raffinierte Weise formuliert Spielmann in der Figur des Wessely zentrale Fragen über den Bewusstseinszustand einer nach wie vor männlich dominierten Gesellschaft am Anfang des 21. Jahrhunderts: Wie verhalten sich Menschen, wenn ihr ausschließlicher Motor das Ego ist, wenn die Wahrnehmung von Welt und Ich ausschließlich gesteuert ist vom Aspekt der maximalen Profitorientierung? Und was passiert, wenn sich etwas nicht in diese Welt integrieren lässt – wie Krankheit und Tod? Peter Simonischek spielt die Rolle des Wessely und ist damit auch in dieser Spielzeit auf der Bühne des Schauspielhauses zu sehen. Regie führt Götz Spielmann selbst.
Zum Autor und Regisseur
Götz Spielmann ist einer der wichtigsten Autorenfilmer seiner Generation. Geboren 1961 in Wels drehte er 1977 seinen ersten Film, studierte Psychologie und Philosophie, dann 1980 bis 1987 an der Filmakademie Wien. 1985 gewann er den Hauptpreis beim Wettbewerb europäischer Filmhochschulen für Fremdland. Seit 1988 Autor und Regisseur zahlreicher Spielfilme für Kino und Fernsehen, darunter Erwin und Julia (1990), Der Nachbar (1991), Dieses naive Verlangen (1992), Die Angst vor der Idylle (1994), Die Fremde (2000), Spiel im Morgengrauen (2001). Antares (2004) wurde auf über 30 internationalen Festivals gezeigt. 2007 gab Spielmann sein vielbeachtetes Debüt als Theaterregisseur mit Schnitzlers Der einsame Weg am Landestheater Linz, wo 2007 auch Imperium uraufgeführt wurde. Sein letzter Film, Revanche, wurde als einer der fünf besten nicht-englischsprachigen Produktionen für den Oscar 2009 nominiert.
Besetzung:
Regie: Götz Spielmann
Bühne: Martin Warth
Kostüme: Sabine Volz
Musik: Jörg Gollasch
Dramaturgie: Regina Guhl
Mit:
WESSELY: Peter Simonischek
LYDIA: Claudia Martini
PALUCCA: Andrea Wenzl
ANITA: Steffi Krautz
RONNIE: Gustav Koenigs
KONRAD: Gustav Koenigs
HANNA: Verena Lercher
XENIA: Verena Lercher