Von Ferdinand Bruckner.
Inszenierung: Henner Kallmeyer
Bühne und Kostüme: Franziska Gebhardt
Dramaturgie: Regula Schröter
Mit
Jürgen Heigl, Michaela Klamminger, Paul Maresch, Anna Rausch, Elena Schwarz, Mathias Spaan, Ingrid Stein
Eine Pension in Wien 1923, ein Zirkel von Medizinstudenten. Ihre Krankheit: innere Zerrissenheit und kollektive Desorientierung in Zeiten eines zerfallenden Wertesystems; lähmende Verunsicherung trotz bester intellektueller Bildung, gesellschaftlicher Möglichkeiten und moralischer Freiheit. Während Marie ihr Zimmer für die Promotionsfeier herrichtet, versucht ihre Kommilitonin Desiree sich ihr zärtlich anzunähern. Marie will zunächst nicht, später dann doch, aber nur, weil sie von ihrem Freund Petrell enttäuscht wird. Sie hält den verwöhnten Literaten Petrell aus, der wiederum der überambitionierten Studentin Irene nachsteigt, in der Hoffnung, seine Karrierechancen zu verbessern. Desirees Ex-Geliebter Freder verführt das Dienstmädchen Lucy und stiftet es zum Diebstahl an. Das Dienstmädchen liebt über seine Verhältnisse und endet als Hure. Die Studenten experimentieren mit zerstörerischen Spielen um Macht und Abhängigkeiten, treiben sich gegenseitig in menschliche Abgründe. Ihre Sehnsucht nach Nähe und Beziehung wird zu einer verzweifelten, aber erfolglosen Suche. Ferdinand Bruckner schrieb Krankheit der Jugend im Alter von 33 Jahren als präzis beobachtete Analyse der Lebensumstände junger Menschen in der Weimarer Republik unter dem Einfluss des Ersten Weltkrieges. Er beschreibt die Jugend als Seismograf, reagierend auf die Erschütterung des gesellschaftlichen Gefüges. Wegen der offenen Behandlung der Sexualität erregte das Stück die Gemüter der Zeitgenossen. In den post-68-er Jahren erlebte Krankheit der Jugend eine starke Renaissance. Mittlerweile zählt Bruckners „Jugendstück“ zu den Klassikern der Moderne, denn die Szenen in der Wiener Pension zeugen von überraschender, gar erschreckender Aktualität.
Zum Autor
Ferdinand Bruckner, eigentlich Theodor Tagger, wurde 1891 als Sohn eines jüdischen Wiener Bankiers und einer französischen Mutter in Sofia geboren. Er wuchs in Wien, Graz und Berlin auf, studierte Philosophie, Musik und Medizin, arbeitete als Kritiker, Verlagslektor und Dramaturg. 1922 gründete er das Berliner Renaissance-Theater. 1933 emigrierte er nach Wien, später nach Paris, wo er das antifaschistische Drama "Die Rassen" schrieb. Nach einigen Jahren in den USA kehrte er 1953 nach Berlin zurück, wo er 1958 verstarb.
Zum Regisseur
Henner Kallmeyer, geb. 1974 in Lübeck. Gab 2002 mit der Uraufführung Gleissendes Glück von A. L. Kennedy am schauspielhannover sein Regiedebüt. Es folgten (in Hannover, Salzburg, Göttingen, Essen) u. a. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull nach dem Roman von Thomas Mann, Heiner Müllers Quartett, Woody Allens Gott, Ibsens Hedda Gabler, Harold und Maude sowie 2009 eine fulminante Version von Shakespeares Komödie der Irrungen mit Studierenden der Bochumer Schauspielschule.
Premiere: 26. September 2009, 20:00 - 21:30 Uhr
30. September 2009, 20:00 - 21:30 Uhr
7.Oktober 2009, 20:00 - 21:30 Uhr im Anschluss Publikumsgespräch
13., 21. Oktober 2009, 20:00 - 21:30 Uhr
3., 11., 23., 28. November 2009, 20:00 - 21:30 Uhr
Abgesagt: 12. Dezember 2009, 20:00 - 21:30 Uhr
Abgesagt: 17. Dezember 2009, 20:00 - 21:30 Uhr
17. Jänner 2010, 20:00 - 21:30 Uhr
23. Februar 2010, 20:00 - 21:30 Uhr