Von Marie Brassard.
„Die Kabine einer Peepshow erlaubt es den Kunden, durch ein kleines Fenster hindurch, eine Szene in einem benachbarten Raum zu betrachten. Die lediglich partielle Sicht reizt dabei die Vorstellungskraft und befeuert die Fantasie. Würde man ein Foto von diesem Fenster machen, so erhielte man das flache, quadratische Bild eines winzigen Ausschnitts der Realität; einen Bruchteil jenes Stoffes, aus dem das Leben gemacht ist.“ Marie Brassard
Rotkäppchen geht in den Wald, um seine kranke Großmutter zu besuchen. Ein Teenager genießt es, von einem Fremden verfolgt zu werden. Ein kleines Mädchen ist sich nicht sicher, ob ihr Freund sie wirklich mag, oder sie nur wegen ihres süßen Hundebabys besucht. Ein Mann sinniert über verschiedenste Trennungsmöglichkeiten von einer Geliebten, ein anderer fühlt verstörte Wut über das bittere Ende einer Affäre. Ein Mädchen will nicht an Monster glauben. Eine Frau trifft zufällig ihren Ex-Geliebten und meint einen Augenblick lang, wahre Liebe gespürt zu haben. Ein Schulkind vermutet einen tieferen Sinn hinter den Fragen seiner Lehrerin. Rotkäppchen legt sich nackt zu ihrer wölfischen ‚Großmutter‘. Eine Lehrerin mit gebrochenem Herzen öffnet eine Wunde immer wieder – um sich an eine vergangene Liebe zu erinnern. Ein Monster philosophiert unter der Erde. Brassards Peepshow gewährt kurze Einblicke in den Kreislauf von Verlieben und Verlassen, den menschlichen Hunger nach neuen Erfahrungen, die Grauzone des Begehrens und die Suche nach Nähe oder was davon übrig bleibt. Wie Mosaiksteine formieren sich fragmentarische Geschichten über Versuchungen, Verirrungen, Enttäuschungen und Selbsttäuschungen zu einem Kaleidoskop menschlichen Verlangens.
Ambivalente Momentaufnahmen von schlichter Poesie, mal schmerzhaft, mal witzig, mal befremdend – in einer packenden Mischung aus Alltag, Märchen und Fantasie.
Zur Autorin
Marie Brassard, Autorin, Regisseurin, Performerin. Studium am Conservatoire d’Art Dramatique in Québec. Langjährige Zusammenarbeit mit Regisseur Robert Lepage. 2001 große Erfolge beim Festival de Théâtre des Amériques in Montréal mit ihrem Bühnenerstling Jimmy, créature de rêve. Es folgten The Darkness (2004), Peepshow (2005), The Glass Eye (2007), The Invisible (2008). Sie wurde u. a. 1990 mit dem Chalmers Award als „best canadian playwright“ ausgezeichnet.
Zur Regisseurin
Anna-Sophie Mahler, geb. 1979 in Kassel, studierte Regie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Assistenzen bei Christoph Marthaler, Christoph Schlingensief und am Theater Basel. Ab 2005 freie Regisseurin (Oper und Schauspiel) u. a. am Schauspielhaus Zürich, Nationaltheater Weimar, Theater Biel Solothurn und Theater Neumarkt. Außerdem an der Deutschen Oper Berlin: Jean d´Arc nach Aufzeichnungen von Christoph Schlingensief. Seit 2006 Regisseurin und Co-Leiterin der Gruppe
CapriConnection.
Zum Musiker
Gerriet K. Sharma, geb. in Bonn ist Gewinner der deutschen Klangkunstpreises 2008. Er absolviert derzeit ein Masterstudium in elektroakustischer Komposition am Institut für Elektronische Musik und Akustik der Kunstuniversität Graz. Er kuratiert Signale-Graz, Konzertreihe für elektroakustische Musik, algorithmische Komposition, Radiokunst und Performance im Mumuth Graz. Künstlerische Schwerpunkte: Klanginstallationen im öffentlichen Raum, raum-kompositorische Auseinandersetzung mit dem Ort. Beschäftigung mit Bild-Ton-Relationen in audiovisuellen Installationen, Film und Theater. Komposition und Aufführung radiophoner Hörstücke, Verdichtung von Text, Sprache und Klang zu einem raumbezogenen Gesamtklang.
Besetzung:
Regie: Anna-Sophie Mahler
Bühne und Kostüme: Sophie Krayer
Musik: Gerriet K. Sharma
Dramaturgie: Regula Schröter
mit: Martina Stilp, Gerriet K. Sharma
Premiere: 7. Jänner 2010, 20:00 - 21:25 Uhr
12., 28. Jänner 2010, 20:00 - 21:25 Uhr
2., 8., 24. Februar 2010, 20:00 - 21:25 Uhr
3., 15., 22. März 2010, 20:00 - 21:25 Uhr
17., 24. April 2010, 20:00 - 21:25 Uhr
28. Mai 2010, 20:00 Uhr
7., 9., 23. Juni 2010, 20:00 Uhr
Wiederaufnahme: 13. Oktober 2010, 20:00 Uhr
21. Oktober 2010, 20:00 Uhr
3., 30. November 2010, 20:00 Uhr
10., 29. Dezember 2010, 20:00 Uhr
25. Jänner 2011, 20:00 Uhr
15. Februar 2011, 20:00 Uhr
3., 21. März 2011, 20:00 Uhr
3. April 2011, 20:00 Uhr
15. Mai 2011, 20:00 Uhr