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Kategorie » Ausstellungen

Herlinde Koelbl
Jüdische Portraits - Photographien von Herlinde Koelbl
Österreich, das Land, das mich in meinem entscheidenden Jugendjahren geprägt hat und das ich als Absolutum angenommen habe. Fenster waren für mich Doppelfenster, Flügelfenster mit Fensterpolstern dazwischen. Daß es auch andere Fenster gibt, zum Beispiel die unsäglich unpraktischen englischen Schiebefenster, die ich als nächstes kannengelernt habe, war mir nicht klar. Und nun Postkästen – Briefkasten hat man es in Wien genannt – die waren eben genau so wie die gelben Briefkästen in Wien. Daß es auch andere geben kann, ist mir als Kind zunächst nicht eingefallen. Es gibt eine Reihe von teils täuschenden Sicherheitsgefühlen, die man als Kind hat, und Landschaftseindrücke, Menscheneindrücke, auch durchaus dramatische Eindrücke, die das Heimatbild prägen. Also Österreich ist ganz eindeutig meine Heimat, und ich werde nie eine andere Heimat haben. England war nicht einmal meine Wahlheimat, sondern nur eine Notlösung.
Erich Fried | 1921, Wien, Österreich | Schriftsteller, London (gest. 1988)

Das stadtmuseumgraz zeigt im zehnten Jahr nach der Wiedererrichtung der Synagoge in Graz und als Ergänzung zur Ausstellung „Die Kunst der Anpassung. Steirische Künstler im Nationalsozialismus“ (Kooperation mit den Neuen Galerie Graz, Eröffnung am 18. Mai) die Ausstellung „Jüdische Portraits. Photographien von Herlinde Koelbl“ aus dem Jahr 1989. Diese Fotoausstellung mit Portraits u.a. von Erich Fried, Theodore Kollek, Bruno Kreisky, Sir Karl Popper oder Marcel Reich-Ranicki hat Geschichte zum Thema und ist mittlerweile selbst historisch geworden. Nur ein Drittel der Dargestellten ist heute noch am Leben: z.B. Uri Avnery, Arthur Brauner, Erika Landau oder Lord Arthur George Weidenfeld.

Herlinde Koelbl hat für ihr aus Text-Bild-Kombinationen bestehendes großes Fotoprojekt deutschsprachige Juden portraitiert, die der Shoah entkommen sind. Einige dieser Überlebenden waren nach 1945 aus dem Exil nach Deutschland (Ost oder West) und nach Österreich zurückgekehrt; die meisten blieben in jenen Ländern, in denen sie Aufnahme gefunden hatten. Entstanden ist ein kollektives Denkmal für eine Generation, die als letzte in das intellektuelle und geistige Klima der deutsch-jüdischen Symbiose hineingeboren wurde, die Zerschlagung dieser Kultur miterleben musste – und die den Holocaust an über sechs Millionen Juden überlebte. Herlinde Koelbls Form der Würdigung ist eine fotografische Portraitgalerie, wobei sie sich nicht darauf beschränkte, jüdische Persönlichkeiten der Geistes- und Kulturgeschichte in aller Welt aufzuspüren und sie zu portraitieren, sondern sie führte mit den Portraitierten eindringliche und ausführliche Dialoge zu Fragen nach ihrem Verständnis von jüdischer Tradition, von Religion und Heimat. Die vollständigen Interviews sind in dem aus Anlass der Grazer Ausstellung neu aufgelegten Katalogbuch des S. Fischer-Verlags (292 Seiten, 68 €) enthalten.

Herlinde Koelbl, deren Gesamtwerk soeben im Berliner Martin-Gropius-Bau unter dem Titel „Mein Blick“ gewürdigt wurde, zählt zu den renommiertesten FotografInnen Deutschlands. „Herlinde Koelbl schreibt, Werk für Werk, die Chronik einer Epoche, wie früher die Romanciers, wie Zola oder Balzac, nur mit anderen Mitteln,“ schrieb Harald Martenstein im Tagesspiegel. Als freie Fotografin arbeitet sie für viele deutsche und internationale Publikationen. Koelbls besonderes Interesse gilt dem Portraitieren von Milieus und Personen. Sie hat Gastprofessuren unter anderem in Hamburg, Wien, New York und Sydney übernommen und viele renommierte Preise und Auszeichnungen erhalten, so zum Beispiel 2001 den Dr. Erich-Salomon-Preis. Ihre Werke wurden in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. 2009 in der Kunsthal Rotterdam und im Shanghai Art Museum, 2000 im Haus der Kunst in München und 1991 im Spertus Museum in Chicago. Sie publizierte zahlreiche Bücher, darunter: Mein Blick (2009), Haare (2007), Schlafzimmer (2002), Spuren der Macht (1999), Opfer (1996), Feine Leute (1986) und Das deutsche Wohnzimmer (1980).

Mit Fotografien von:
GITTA ALPAR • RUDOLF ARNHEIM • URI AVNERY • BRUNO BETTELHEIM • ILSE BING • ARTUR BRAUNER • ERWIN CHARGAFF • ROMAN CYCOWSKI • ALFRED EISENSTAEDT • RUDOLF EKSTEIN • NORBERT ELIAS • ERICH FRIED • JAKOB GIMPEL • SIR ERNST GOMBRICH • MAX GRUENEWALD • HENRY GRUNWALD • FRIEDRICH HACKER • STEPHAN HERMLIN • STEFAN HEYM • HANS JONAS • ROBERT JUNGK • KARL KAHANE • THEODORE KOLLEK • ANDRE KOSTOLANY • BRUNO KREISKY • ERIKA LANDAU • WALTER LAQUEUR • FRANCIS LEDERER • ERICH LEINSDORF • LEO LÖWENTHAL • HANS MAYER • MAX FERDINAND PERUTZ • SIR KARL POPPER • MARCEL REICH-RANICKI • GERSHOM SCHOCKEN • SIR GEORG SOLTI • FRITZ STERN • GEORGES TABORI • JOSEF TAL • EDWARD TELLER • GEORG STEFAN TROLLER • LORD ARTHUR GEORGE WEIDENFELD • VICTOR WEISSKOPF • SIMON WIESENTHAL • EUGENE WIGNER • FRED ZINNEMANN

Zur Eröffnung sprechen:
Herlinde Koelbl
Hofrat Dr. Heinz D. Anderwald, Israelitische Kultusgemeinde Graz
Otto Hochreiter, Direktor stadtmuseumgraz

Termine
Eröffnung: 9. März 2010, 19:00 Uhr
10. - 31. März 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 30. April 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 31. Mai 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 30. Juni 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 31. Juli 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 31. August 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 30. September 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 31. Oktober 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
1. - 14. November 2010, Di. - So. 10:00 - 18:00 Uhr
Weitere Informationen
(c) Foto: Herlinde Koelbl (Erich Fried)
Das Katalogbuch zur Ausstellung:
Jüdische Portraits
Photographien und Interviews von Herlinde Koelbl
Fischer, S., Verlag GmbH;
Auflage: 1. (29. Januar 2010)
292 Seiten, 32 x 24 cm, € 68
Veranstaltungsort
Stadtmuseum
Sackstraße 18, 8010 Graz
Tel: +43 (316) 872 7600
Fax: +43 (316) 872 7609
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Öffnungszeiten
Öffnungszeiten:
Di - So: 10:00 - 18:00 Uhr
Mo: geschlossen!
Am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Jänner ist das stadtmuseumgraz geschlossen.
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haltestelle Schloßbergplatz: strassenbahn 4,5

Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln
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* Liniennetzplan (PDF)
* BusBahnBim-Auskunft

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