Liebeslust und Ehefrust. Vom Sinn und Unsinn sich zu binden
Seit Anbeginn der Menschheit werden kurzfristige, dauerhafte, parallele oder serielle Lebens- und Sexualgemeinschaften eingegangen. Im Laufe der Geschichte entstanden und existierten unterschiedlichste Formen des Zusammenlebens. Von den vermeintlichen promisken Horden in grauer Vorzeit, die die sogenannte Gruppenehe (jeder mit jedem) bevorzugten, über die matriarchale Polyandrie (Frau und mehrere Männer), bis zur Polygynie (Mann mit mehreren Frauen) und letztlich als Krönung der menschlichen Bindung: die Monogamie. Die Zweierbeziehung auf Basis von Emotionalität und Liebe trat seit der Industrialisierung in den Vordergrund und wurde/wird somit vielfach zur höchsten Quelle privaten Glücks stilisiert. Individualisierungsprozesse, Emanzipation und vermehrt gelebte sexuelle Freiheit im 20. Jahrhundert hatten große Auswirkungen auf die Institution Ehe und deren zunehmende Deinstitutionalisierung.
Im Rahmen der Ringvorlesung werden Lebens- und Sexualgemeinschaften im Wandel der Geschichte und ihre Sinnhaftigkeit thematisiert. Der zeitliche Bogen der Betrachtung spannt sich hierbei von der Antike bis ins 21. Jahrhundert. Inhaltlich bietet die Ringvorlesung einen thematischen und geographischen Querschnitt. Interdisziplinär werden Themen wie Lust, Liebe, Ehe, Sexualität, Familienformen, Zusammenleben, Heirat, Trennung und Scheidung und Beziehungstristesse beleuchtet und Geschichten rund um Liebeslust und Ehefrust erzählt.
Programm
Die Vorträge finden im HS 06.01 (HS A) in der Vorklinik an der Karl-Franzens-Universität Graz statt.
03. März 2010: Ass.-Prof. Dr. b>Johannes Giessauf, Dr. Andrea Penz, Karl-Franzens-Universität Graz/Geschichte
Einführung in das Thema.
10. März 2010: Univ.-Prof. Dr.
Karl Crailsheim, Karl-Franzens-Universität Graz/Zoologie
Lust und Treue bei Tier und Mensch.
17. März 2010: Ao.Univ.-Prof. Dr.
Stefan Schima, Universität Wien/Rechtsphilosophie
Einehe und Vielehe vor dem Hintergrund von Rechtspluralismus, Staat-Kirche-Beziehung und religionswissenschaftlichem Vergleich.
24. März 2010: Ass.-Prof. Dr.
Johannes Giessauf, MAS, Karl-Franzens-Universität Graz/Geschichte
"Mehr heißt nicht unbedingt besser". Formen und Probleme polygamer Beziehungen im Mittelalter.
21. April 2010: Univ.-Prof. Dr.
Markus Hengstschläger, Medizinische Universität Wien/Genetik
Künstliche Befruchtung: Entkoppelung von Fortfplanzung und Sex.
28. April 2010: PD Dr.
Martha Keil, Institut für Jüdische Geschichte Österreichs/Judaistik
"Siehe du bist mir angeheiligt nach dem Gesetz von Moses und Israel". Ehe und Scheidung im Judentum.
05. Mai 2010: Ao.Univ.-Prof. DDr.
Theresia Heimerl, Karl-Franzens-Universität Graz/Theologie
"Besser heiraten als brennen". Theologische Ehekonzepte zwischen Paradiesehe, Katechismus und Kirchenrecht.
12. Mai 2010: Ao.Univ.-Prof. Dr.
Käthe Sonnleitner, Karl-Franzens-Universität Graz/Geschichte
"Ich will nicht länger ohne Weib sein, wenn's mich auch das leben kosten sollte". Ehediskussion im Spätmittelalter.
19. Mai 2010: Ass.-Prof. Dr.
Peter Mauritsch, Karl-Franzens-Universität Graz/Alte Geschichte
"Heirate oder heirate nicht, du wirst es bereuen".
26. Mai 2010: Dr.
Andrea Penz, Karl-Franzens-Universität Graz/Geschichte
"Mir war es ernst und für ihn war es nicht mehr als ein kleines Amüsement". Seitensprünge und andere gefährliche Liebschaften.
02. Juni 2010: Dr.
Peter Wiesflecker, MAS, LL.M, Steiermärkisches Landesarchiv/Geschichte
"Wenn unsereiner jemand gern hat, findet sich immer im Stammbaum irgendeine Kleinigkeit, die die Ehe verbietet". Über dynastische Ehen und solche zur linken Hand.
09. Juni 2010: Univ.-Prof. i. R. Dr.
Rotraud Perner, Donauuniversität Krems/Psychologie
Bindungslose Bindung. Ein Weg zur spirituellen Sexualität.
16. Juni 2010: Dr.
Hiram Kümper, Universität Bielefeld/Geschichte
"Man greiff eben manchmallen einer die brüst". Sexualität und Gewalt in vormodernen Alltagsbeziehungen.
23. Juni 2010: Ao.Univ.-Prof. Dr.
Martin Polaschek, Karl-Franzens-Universität Graz/Rechtsgeschichte
"...ist die Ehe des österreichischen Rechtes eine zweifellos monogame". Zu den "Dispensehen" der Zwischenkriegszeit.
30. Juni 2010:
FRANZOBEL
Bumpy Night oder warum holpert es.
07. Juli 2010: SCHRIFTLICHE PRÜFUNG