Vortrag Gerald Lamprecht (Historiker, Centrum für Jüdische Studien an der Universität Graz).
Mehr als 60 Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes ist der Antisemitismus im Bewusstsein der Menschen keineswegs überwunden. Jährliche Umfragen zeigen, dass nach wie vor eine beträchtliche Anzahl von ÖsterreicherInnen ein „schwieriges“ Verhältnis zu Juden hat. Die dabei artikulierten stereotypen „Judenbilder“ basieren zumeist nicht auf realen Erfahrungen, sondern gehen auf Jahrhunderte lang tradierte Fremd- und Feindbilder zurück. In den letzten Jahren kam zu den traditionellen antisemitischen Stereotypen eine häufig diffuse und antisemitisch konnotierte Israelkritik hinzu, die eine explosive Mischung ergibt. Wie an antisemitischen Übergriffen in Frankreich und auch im Zusammenhang mit dem Karikaturen-Streit im Frühjahr 2006 sichtbar wurde, stellt diese Form des „Neuen Antisemitismus“ auch in Europa eine Bedrohung dar.
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12. Oktober 2006, 19:00 Uhr