Kategorie » Lesung/Vortrag/Diskussion
Margret Kreidl & Erika Kronabitter
Margret Kreidl liest aus Eine Schwalbe falten. (Edition Korrespondenzen 2009)
Erika Kronabitter liest aus Viktor. Die Entlassung aus dem Paradies. (Limbus Verlag 2009)
Abzählreime, Rätselfragen, Kinderverse, Doktorspiele. So fangen wir an, uns zu erfahren und die Welt zu begreifen, die trotzdem fremd und unheimlich bleibt. Dreimal dreht sich die Seele. / Ist das eine Idee? / Bitte aufheben.
Margret Kreidls neues Buch ist die Geschichte von zwei Schwestern, Edith und Judith, die sich zum Verwechseln ähnlich sind. Und es ist eine Krankengeschichte. Der Herr Doktor sagt, wo eine Frau hinfällt, soll sie liegen bleiben.
Sprichwörter, Listen, Dialoge, Lieder. Das Buch besteht aus Teilen, die sich nicht bruchlos zusammenfügen. Wie die Erinnerung, die immer wieder neu zusammengesetzt werden muss. Es ist leichter, eine Schwalbe zu falten als den Faden zu verlieren, sagt die Autorin. Also kehren bestimmte Motive immer wieder, Sätze und Bilder. Eine Schwalbe falten ist ein Album der Träume, Alpträume und Märchen, die wahr werden. Die Frauen singen, die Hasen springen, die Männer schießen, die Kinder müssen. Die Grenzen zwischen Prosa und Gedicht sind genauso fließend wie die Grenzen zwischen Kindheit und Erwachsensein, Gesundheit und Kranksein, Schlafen und Wachen. Und Vögel ziehen durch das Buch, als Seelen- und Nachttiere: die graue Gans, die durch den Rauchfang kommt, und die Nachtigall, die im Kühlschrank singt. (Zu: Eine Schwalbe falten)
Margret Kreidl
Geboren 1964 in Salzburg. von 1983 bis 1996 in Graz, lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Gedichte, Libretti- und Prosawerke. 2003 war sie Writer in Residence am Allegheny College in Meadville, Pennsylvania.
Veröffentlichungen u.a.: Ich bin eine Königin. Auftritte, 1996); Süße Büsche (Das 1999); Grinshorn und Wespenmaler. 34 Heimatdramen (2001); Laute Paare. Szenen Bilder Listen (2002); Mitten ins Herz (2005); Eine Schwalbe falten. (2009)
„Margret Kreidl beherrscht die Kunst der Parataxe perfekt. Der Text ist als parataktisches Labyrinth angelegt, wobei minimalistische Variationen auf immer neue Irrwege oder Auswege führen, die metaphorisch unterschiedlich bebildert sind, mal mit Schmerzzuständen, mal mit onomatopoetischem Vogelgezwitscher, mal mit Evokationen an abwesende oder herbeigesehnte Personen.“ (Liesl Ujvary zu Eine Schwalbe falten)
Erika Kronabitter
Geboren 1959 in Hartberg. Studium der vergleichenden Literaturwissenschaft, Germanistik/Kunstgeschichte. Arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Literatur, Malerei, Grafik, Konzept-, Video- Fotokunst. Seit 2001 Teilnahme und Mitarbeit bei den Strobler und Wolfgangsee Literaturtagen in Form von Abhaltung von Workshops zu Essay, Lyrik und interdisziplinäres Arbeiten mit Literatur und Video. Seit 2003 Initiatorin und Organisation des Feldkircher Lyrikpreises. 2006 bis 2009 Lehrbeauftragte an der Kunstschule Liechtenstein. 2009 Workshopleiterin für Lyrik im Rahmen des Projektes „Junge Szene“ Vorarlberg. Lebt in Feldkirch, Vorarlberg.
Veröffentlichungen u.a.: Ich auf Chios (Lyrik, 2000); Friederikenbriefe: Friederike Mayröcker gewidmet (Prosa, 2002); So wie man beim Schlafen die Augen schliesst: Schatten- und Farbgedichte (Lyrik, 2002); Mona Liza: die Prosa der Verhältnisse (Roman, 2007); Viktor. Die Entlassung aus dem Paradies (2009) sowie in zahlreichen Anthologien.
Wer ist Viktor, Monas Ehemann? Viktor kennt sich aus, Viktor denkt nach, Viktor durchschaut vieles. Aber Viktor durchschaut auch vieles nicht – und das wird ihm und Mona zum Verhägnis. Viktor ist ein Mann, der um seinen Platz in der Welt ringt und bereit ist, dafür über Leichen zu gehen ...
Erika Kronabitter pflegt im zweiten Teil ihrer Trilogie über eine Familie das Spiel mit der Sprache, engagiert sich formal und nimmt sich dann wieder zurück, denn das Thema, das System – das System Ehe, das System Staat, das System Beruf –, drängt sich in den Vordergrund. Launig, prägnant, patriarchal.
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