Medien-/Klanginstallation zur Langzeitspeicherung und Flüchtigkeit von Informationen (2010) v. Fränk Zimmer
information/storage.refresh bringt zwei der wichtigsten kulturellen Speicherträger der letzten 50 Jahre ins Spiel: das analoge Tonband und das World Wide Web. Magnetische Tonbänder haben ein Ablaufdatum, das u.a. von den Umweltbedingungen ihrer Lagerung bestimmt wird. Die Lebensdauer von Informationen im WWW übertrifft alle bisherigen technischen Speichermedien an Kurzlebigkeit. Informationen im Netz existieren oft nur wenige Stunden oder Minuten.
BesucherInnen lösen in der Installation ein Wechselspiel von Generierungs- und Zerstörungsprozessen von Ton- und Bildinformation aus. Das Tonband altert hörbar in Zeitraffer, indem die physikalischen Größen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Staub, magnetische Störungen am Installationsort kontrolliert werden.
BesucherInnen dokumentieren den Prozess mit Schnappschüssen, die sie im WWW ablegen. - Die Lebensdauer dieser Bilder wiederum wird durch die Gebrauchsdauer der Installation bestimmt.
information/storage.refresh zelebriert das interaktive Dilemma des Speicherns und Wiederherstellen- Wollens von Information als Medien- und Klanginstallation, in dem die BesucherInnen zu ZeitmanipulatorInnen werden.
Medien-/Klanginstallation zur Langzeitspeicherung und Flüchtigkeit von Informationen
Tonträger haben ein Ablaufdatum, das von ihren Materialeigenschaften, den Klimabedingungen des Aufbewahrungsortes, der Festlegung auf ein bestimmtes Format und den Lebenszyklen der Abspielgeräte bestimmt wird. Die Langzeitarchivierung analoger und digitaler Informationen ist zu einer zentralen Problemstellung von ArchivarInnen und HistorikerInnen unserer Tage geworden. Als wichtigstes elektronisches Massenmedium unserer Zeit und als neuer Raum kultureller Produktion bildet das Internet einen weiteren Interessensschwerpunkt aktueller Datenarchivierungsüberlegungen. Laut Netcraft sind im Februar (2009) 215.675.903 Websites im Netz. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Website wird von Internet Archive mit 44-75 Tage angegeben, andere Experten schätzen sie auf wenige Stunden gar Minuten.
In der Installation information/storage.refresh treffen ein Tonband als analoges Speichermedium und das WWW als virtueller Speicher aufeinander. Durch den „Gebrauch“ des Installionssettings wird ein Zerstörungsprozess des Tonbands in Gang gesetzt. Die Destruktion von Trägermaterial und akustischer Information wird zur auditiven Dekonstruktion – es entstehen Audio-Artefakte. BesucherInnen dokumentieren diesen Prozess und legen die selektiven Bildinformationen im virtuellen Speicher WWW ab. Die Dauer des Gebrauchs dieses Installationsteiles bestimmt die Lebensdauer der Bildinformation, den repräsentiven Webinhalt. Das Verhalten der BesucherInnen koppelt zwei unabhängige Konstellationen von Informationsflüchtigkeit aneinander. Der Lebenszyklus der Speicherinhalte ist das Resultat des Gebrauchs des Versuchssettings. Die Verflüchtigungsprozesse werden hörbar und sichtbar.
Fränk Zimmer (*1972, Luxemburg) lebt seit 1994 in Graz. Seit den 1990er Jahren Auseinandersetzung mit der E-Gitarre und elektronischen Musikinstrumenten. Ausbildung zum Kommunikationstechniker am Lycée des Arts et Métiers in Luxemburg. Musikwissenschaftliche Studien an den Universitäten Graz und Wien. Seit 2002: zahlreiche Klang- und Medieninstallationsprojekte im öffentlichen Raum und in der Kunst gewidmeten Räumen. Producer ORF musikprotokoll im steirischen herbst. Schwerpunkte aktueller künstlerischer Arbeiten bilden die Verschränkung von Medienkunst und angewandter Sozialforschung und Arbeiten rund um die Langzeitarchivierung von Informationen.
Zusammenarbeit zwischen Fränk Zimmer und ESC im LABOR:
März 2006: Heimspiel auswärts, Kooperation mit Liquid Music/Heimo Ranzenbacher
Sept/Okt 2006: Phantom Orchestra | on 1m2 and 2 levels (Teil des Gesamtprojektes Intermediate Spaces)
März 2007: signation v.2.0., Kooperation mit Liquid Music/Heimo Ranzenbacher
Dezember 2008/ Jänner 2009: knoten n +1/ v2