Literaturstipendien

In der ersten Kulturbeiratssitzung am 4. März 2004 wurde über die Vergabe von Stipendien der Stadt Graz diskutiert und im besonderen ein Literaturstipendium angeregt.

Noch im selben Jahr wurde diese Anregung aufgenommen und umgesetzt: Die Stadt Graz vergibt jährlich je nach Budgetlage bis zu zwei Literaturstipendien.
Der Grazer Gemeinderat schuf auch für 2016 die Voraussetzungen für die Vergabe von Literaturstipendien der Stadt Graz. 2016 werden zwei Literaturstipendien in Höhe von je € 5.000,-- ausgeschrieben.

Ziel ist die Förderung von Grazer literarischen Talenten bzw. jener LiteratInnen, die dadurch die Möglichkeit erhalten sollen, sich intensiv der Fertigstellung eines literarischen Werkes zu widmen. Die StipendiatInnen erklären sich bereit, innerhalb eines Jahres ihre literarische Arbeit im Rahmen einer Lesung der Öffentlichkeit zu präsentieren und dieses Stipendium in ihren Biografien stets anzuführen.

Einreichfrist: 31. März 2018 (Datum des Poststempels)

Jury

  • Dr. Markus Jaroschka
  • Drin Alexandra Millner
  • Mag. Paul Pechmann
  • Dr. Rüdiger Wischenbart
  • Maga Drin Andrea Wolfmayr

StipendiatInnen 2016:


Die StipendiatInnen 2016 sind Frau Maga Evelyn Schalk und Herr Egon Christian Leitner .

Jurybegründungen:
Die 1981 in Graz geborene Autorin Evelyn Schalk trat seit 2003 regelmäßig mit journalistischen und literarischen Texten an die Öffentlichkeit, daneben wirkte sie als Kuratorin zahlreicher wissenschaftlicher und Kunstveranstaltungen sowie als Literaturwissenschaftlerin an der KFUG. Mit der an mehreren öffentlichen Plätzen angeschlagenen Wandzeitung „ausreißer“, die Schalk im Jahre 2004 mitbegründete und seitdem mitherausgibt, schuf sie ein in der Stadt Graz einzigartiges Medium, das formal und inhaltlich anspruchsvolle Literatur einem breiteren Publikum zugänglich macht. Evelyn Schalks bevorzugte Textsorte ist der Essay. Paradigmatisch für Interessenslagen und Schreibverfahren der Autorin ist ihre aktuelle Arbeit „nacht.schicht“, für welche ihr von der Jury ein Literaturstipendium der Stadt Graz zugesprochen wurde. „nacht.schicht“ ist eine literarische Vermessung der Nacht, ein Streifen durch die dunklen Stunden, eine Recherche nach allfälligen „Räumen des Konjunktivs“, Gegenkonzepten zu jener, in der Soziologie ebenso wie in der Literatur vielfach beschriebenen, immer umfassender werdenden Anpassungswut. Mit einem präzisen Blick auf die Widersprüche postindustrieller Spektakelkultur beschreibt Schalk das ubiquitäre, von der Ökonomie reglementierte nächtliche Über-die-Stränge-Schlagen und kontrastiert solche Befunde mit gegenläufigen Vorstellungen nächtlichen Treibens und Getriebenwerdens, die an jene der Romantik (Novalis, Eichendorff) anklingen. In ihren Betrachtungen legt die Autorin ein besonderes Augenmerk auf den romantischen Topos von der Nacht als Wiege der Phantasie und des kreativen Exzesses. Dieses und ähnliche Klischees untersucht Schalk nun unter Bezugnahme auf Haltungen und Einstellungen heutiger Mainstream-LiteratInnen und formuliert, diese kontrastierend, originelle Thesen zum aufrührerischen Potential (nächtlicher) schriftstellerischer Praxis: Wo sich Habitus und Arbeitsroutinen der Schriftstellerin/des Schriftstellers nicht von jenen einer kompakten Majorität von Angestellten und Kleingewerbetreibenden („Soldaten für die Wirtschaft“) unterscheiden, ließe sich laut Schalk das Rollenmodell des „libertinen“ Autors als revolutionäre Utopie neu akzentuieren. Evelyn Schalks Essay „nacht.schicht“ überzeugt auch durch seine kunstvolle Anlage. Der Titel spielt u.a. auf die im Text thematisierte gesellschaftliche Differenzierung diverser Nachtschichten an, ebenso auf die Struktur des Textes, der Material unterschiedlicher Diskurs-Ebenen übereinander schichtet. Der Fluss der Bilder, Gedanken und Assoziationen wird dem Leser als Bewegung des Driftens erfahrbar (im Sinne von Guy Debords „dérive“), die jenem, spontanen Impulsen folgenden Durch-die nächtliche-Stadt-Streifens der Erzählerin entspricht. Die abrupte Abfolge von flackernden Beobachtungen, Wahrnehmungssplittern, persönlicher Spurensuche der Autorin, von Befunden aus Gesellschaftsanalysen und von Zitaten aus verschiedenen Kontexten erzeugen eine Heterogenität, die der im Text aufgerufenen Utopie „nächtlicher“ Entgrenzung besondere Evidenz verleiht. Für ihr widerständiges Textprojekt fand Schalk eine Sprache von konzentrierter Emphase und Eindringlichkeit. Ob nun durch die exzessive Verwendung des Infinitivs anstelle des finiten Verbs, um der im Text angesprochenen „Gleichschaltung“ Ausdruck zu verleihen, oder durch das Aufspalten von Lexemen, um „verborgene“ Wahrheiten, Zusammenhänge sichtbar zu machen – Schalk vermag sprachspielerische Verfahren mit großer Raffinesse zu handhaben. Selten finden in der jüngeren Generation von LiteratInnen eine gesellschafts- und medienkritische Beobachtungsgabe und solch hohe Ansprüche an Formfindung und Ausdruckskraft zusammen wie bei der Grazer Autorin Evelyn Schalk.

„Ich schlage Egon Christian Leitner für das Literaturstipendium der Stadt Graz vor, weil er mit großer Konsequenz und auf hohem literarischen Niveau eine fortlaufende Chronik der österreichischen zeitgenössischen Gesellschaftsgeschichte verfasst. Dessen Fortschreibung soll durch Zuerkennung des Literaturstipendiums Unterstützung und Anerkennung finden. Bereits mit seinem Roman „Des Menschen Herz“ hat Leitner eine literarische Chronik zur österreichischen Zeitgeschichte vorlegt, wie sie nur wenige zeitgenössische AutorInnen gewagt haben. Umsichtig und stilistisch sicher, die Traditionen realistisch chronikalen Erzählens aufgreifend und aus einer fachlich kundigen Grundlage essayistischer Vorarbeiten schöpfend, legt Leitner einen Roman sowie ein Konvolut an Tagebucheinträgen vor, die sich störrisch modischen Usancen widersetzen, aber in sich schlüssig ein großes Oeuvre eröffnen. Die Verleihung eines „Stipendiums“ mag aufs erste einem Autor im Alter Leitners nicht entsprechen. Doch mit Blick auf den vorgelegten Roman als literarisches Erstlingswerk ist das Stipendium ein Schritt der Anerkennung eines schriftstellerischen Mutes sowie der Freude auf nachfolgende literarische Werke des bislang vor allem als Wissenschafter und Essayist hervorgetretenen Autors.“

StipendiatInnen 2015:


Die StipendiatInnen 2015 sind Cordula Simon und Mag. Alexander Micheuz.

Jurybegründungen:
Die 1986 in Graz geborene Cordula Simon schloss ihr Studium der deutschen und russischen Philologie in Graz und Odessa mit einer Arbeit über Lou Andreas Salomé ab. Sie war Koordinatorin und Workshopleiterin der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz und lebt seit 2011 in Odessa und aufgrund der politischen Situation wieder in Graz. Nach Publikationen in Zeitschriften und mehreren Literaturpreisen erschien im August 2012 ihr erster Roman Der potemkinsche Hund und 2013 ihr zweiter Roman Ostrov Mogila. 2014 war Simon für den Ingeborg Bachmann Preis nominiert. Cordula Simons Prosa kommt lakonisch daher, fast fatalistisch, wirkt wie „hingeknallt“ in ihrer Lässigkeit und forcierten Provokation. Sie wirkt herausfordernd, kalt, „wild“ – unwillkürlich assoziiert man „russische Seele…“ und schaudert doch selbst gleich zurück vor diesem Klischee. Zu „modern“ und jung ist diese Sprache, zu (gewollt) verstörend, irritierend sind deren Inhalte. Auch wenn in Simons Texten Grenzen des fürs westliche Denken noch Fassbaren oft überschritten werden, findet sich kein Funke Resignation. Diese Prosa ist vielmehr trotzig, beinah schnoddrig in ihrer abweisenden Haltung: Bleibt weg von mir, haltet Abstand! Rebellentum, Einzelkämpfertum – das scheint als Kern ihren Texten gemeinsam zu sein. Manchmal wirkt es, als würden die (oft weiblichen) Hauptgestalten ihr Schicksal annehmen, hinnehmen, akzeptieren – großer Irrtum! Spiel, Täuschung, Trick, Lüge. Es geht um das nackte Überleben! Cordula Simon sucht als Erzählerin, Frau, Mensch, wie viele ihrer ZeitgenossInnen, nach anderen, unerforschten, nie begangenen Wegen durch den Dschungel der heutigen Welt. Not und Elend, politische Unterdrückung, Raffgier, menschliche Dummheit, Enge, Mangel und Armut lassen sie auf raffinierte und kunstvoll-kreative Weise sprachlich-neue Pfade durchs Unterholz schlagen. Das Romanprojekt „Spieler“ wird nach Ansicht der Jury einstimmig als förderungswürdig erachtet.

Alexander Micheuz wurde 1983 in Bad Eisenkappel/Železna Kapla geboren. Er studierte in Graz Germanistik, seine Diplomarbeit schrieb er über Werner Schwab. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist er teilbeschäftigt als Handelsangestellter. Veröffentlichungen seit 2006, u. a. in Literaturzeitschriften wie in LICHTUNGEN (106/2006), manuskripte, perspektiven, sowie in Anthologien. Weiters machte er als Dramatiker auf sich aufmerksam mit Theatertexten wie Macht und Von der Liebe zu den Dingen und Menschen.

Alexander Micheuz gehört zu den stillen Autoren/Autorinnen des Landes, sein Schreiben und seine Veröffentlichungen erfolgen in größeren Zeitabständen. Es ist ihm vermutlich eine tiefe Skepsis gegen einen oberflächlichen Sprachgebrauch eigen, die genaue Beobachtung von „Wirklichkeit“ beansprucht viel Zeit, um eine treffende sprachliche Umsetzung zu erreichen. Daher sind die Texte, viele Miniaturen, mit einer unglaublichen Präzision verfasst. Traditionelle Textformen wie eine phantastische Erzählung, Aphorismen, Parabeln werden ohne Scheu verwendet, diese werden jedoch sehr bald neu formiert, abgewandelt, quasi „auf den Kopf“ gestellt, wodurch das Absurde, das Groteske meist spielerisch, ja, auch kalauernd zu Tage tritt. Auffallend ist, dass der Autor nicht in die Falle einer Psychologisierung tappt. Seine Sprachsatiren sind präzise „Sprachspiele“, worin brutale, unangenehme Wahrheiten für die Leserin / für den Leser offenbar werden.

Ein sein Werk tragender Aspekt ist die Auseinandersetzung mit Macht, Gewalt und Sprache in der modernen Gesellschaft. Der Autor geht offensichtlich von der Annahme aus, dass Macht mit ihren Gruppenhierarchien, mit dem bekannten Problem des Verhältnisses von Täter und Opfer, von einer stillschweigend sprachlichen Übereinkunft ausgeht. Philosophisch gesehen bedient er sich in seinen „Sprachspielen“ der Komik als Erkenntnismittel. Die schon erwähnten Stilmittel der Offenlegung von Machtstrukturen sind in einer schmunzelnden Dialektik die kalauernde Blödelei und die Satire, sie ermöglichen das Erkennen der immer gleichen Zynismen von „Machtspielen“.

In dem eingereichten Literaturprojekt „Outsiders“ bedient sich der Autor wieder der Farce, Groteske und Satire, um mittels Verfremdungseffekten zu neuen innovativen Möglichkeiten im epischen Theater zu gelangen. Die Handlung des Stücks: Vier Personen wohnen in einer WG, jeder dieser Bewohner hat eine spezielle Biographie, die auch viel Scheitern beinhaltet. Eines Tages taucht die Idee auf, dass die Wohngemeinschaft einen Film für youtube drehen soll, der eine Bergbesteigung in der Wohnung möglichst „authentisch“ simulieren soll. In diesem Geschehen kommt jener Bewohner, der die Idee zum Film hatte, ums Leben. Es bleibt in der Folge, wie der Autor die Handlung beschreibt, völlig ungeklärt, wer für diesen Tod verantwortlich ist. Die Beziehungen der Akteure werden auf der Suche nach der Todesursache schonungslos offengelegt; zuletzt wird das Publikum einbezogen zu entscheiden, was passiert ist. Es ist ein rasantes Spiel mit Fiktion und mit (Theater-)Wirklichkeit, eine tragikomische Situation, in der sich das Publikum der absurden Lage bewusst werden soll.

Der Autor schreibt getreu seinem Aufspüren der Zynismen von Macht dazu: „Gepaart mit Fragestellungen nach gesellschaftlicher Ausgrenzung und Außenseitertum ist ‚Outsiders‘ der Versuch, eine aktuelle gesellschaftliche Befindlichkeit zu erspüren: Nämlich die höchst ambivalente Sehnsucht nach Öffentlichkeit und Authentizität.

StipendiatInnen 2014:


Die Stipendiaten 2014 sind Herr Helwig Brunner und Herr Christoph Szalay.

Jurybegründungen:
Helwig Brunner, Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Lichtungen und Herausgeber der Buchreihe keiper lyrik, tritt seit Jahren mit Publikationen im In- und Ausland (New York, Ungarn, Kosovo) an die Öffentlichkeit. Der Grazer Autor war bis Ende 2013 vollberuflich in einem ökologischen Planungsbüro tätig und reduziert nun diese Arbeit, um sich stärker seinen unzähligen und vielfältigen literarischen Projekten widmen zu können. Die vorliegenden Beispiele aus der Gedichtsammlung Denkmal für Schnee und dem Prosaprojekt Journal der Bilder und Einbildungen geben eindrucksvoll Zeugnis von konsequenter und gereifter literarischer Arbeit, die weitere Steigerungen sowohl inhaltlich wie auch stilistisch erwarten lässt.

Hohe Sensibilität und eine lakonische, klare, sinnlich unmittelbar ansprechende, dennoch philosophisch tiefgründige und mehrdeutige Bildersprache kennzeichnen Helwig Brunners Texte; ungekünstelt, lebendig, klar und eindringlich, ohne jemals aufdringlich oder manieriert zu werden, wirken Lyrik und Prosa. Helwig Brunner ist unbestritten eine der bedeutendsten literarischen Stimmen Österreichs, ein bescheidener und zurückhaltender Autor, der heuer zum ersten Mal um ein Stipendium der Stadt Graz ansucht und es – der Schriftsteller hat für seine Familie zu sorgen – in einer Übergangssituation ganz sicher, abgesehen von der hohen Qualität und suggestiven Intensität seiner Werke, verdient. Diese Meinung äußerte die Jury im Rahmen ihrer Beratungen in vollkommener Übereinstimmung.

Der 1987 in Graz geborene Christoph Szalay machte bereits als Anfang 20-Jähriger eine literarisch interessierte Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Nach ersten Publikationen in den Literaturzeitschriften perspektive und Lichtungen kam 2009 sein erster Lyrikband stadt/land/fluss im Leykam Verlag heraus, ein weiterer folgte 2012 im selben Verlag (flimmern).

Thematisch ist Christoph Szalays literarische Arbeit von allgemeinen existenziellen Fragestellungen geleitet: Aufgerufen werden in seinen Texten immer wieder Sehnsüchte nach Glücksempfindungen oder Erinnerungen an solche, aber auch Erfahrungen von Verlust, Vergänglichkeit und Schmerz. Im Exposé zu seinem der Jury vorgelegten Schreibprojekt, einem Gedichtzyklus, der den Titel Rosa Flamingos trägt, nennt Szalay vier grundlegende Themen der Existenz, die darin verhandelt werden: „Heimat, Reise, Erinnerung und Liebe.“ An konkrete, sinnlich fassbare Erlebenswelten gebunden werden derlei Erfahrungen nicht zuletzt durch die Nennung von Orten, deren Symbolkraft der Autor überraschende Facetten abzugewinnen versteht. Sein letztes Buch, Asbury Park, NJ (Luftschacht Verlag Wien 2013), verweist nun auch im Titel auf das topographische Zentrum von dessen Wahrnehmungs- und Spracherkundungen: Es ist jener Bade- und Vergnügungsort am Rande New Yorks, der als Schauplatz oder Drehort mehrerer international erfolgreicher Filme diente. Dessen kontinuierlicher Aufstieg und Niedergang wird vom Autor minutiös und unsentimental registriert. In das Buch eingestreut sind kleinformatige Fotos des winterlichen Küstenorts, die gerade die Fläche einiger weniger Verszeilen einnehmen; in der Gegenüberstellung von Text und Bild lässt der Autor Darstellungsmodi des Dokumentarischen selbst thematisch werden.

Christoph Szalay hat eine Vorliebe für „elementare“ Wörter und Bilder; zum einen sind es Vokabel aus gleichsam vormodernen Vorstellungsbereichen, welche die Gedichte aus der Zeit zu entrücken scheinen, zum anderen sind es zigfach verwendete „Garantiewörter“ des lyrischen Genres, die den Gestus der Gedichte an jenen von scheinbar voraussetzungslosen popkulturellen Produkten annähern, auf die diese auch wiederholt Bezug nehmen (zum Beispiel Songtexte von Bruce Springsteen in Asbury Park, NJ). Dass sich aus solchem, für form-ambitionierte Sprachkunst scheinbar obsolet gewordenen Material Dichtungen von hochgradiger Selbstreflexivität speisen lassen, ist Szalays konzentrierter Handhabung der gewählten Mittel zu verdanken. Immer wieder sind es kleine, fast unmerkliche Eingriffe in den geläufigen Sprachfluss, mit denen lyrische Klischees aufgebrochen werden. So vermag in Asbury Park, NJ allein schon das Versetzen von Interpunktionszeichen (konkret: die konsequente Vorverlegung des Punktes vor das Bindewort „und“) poetische Routinen zu unterminieren und die Aufmerksamkeit des Lesers auf semantische Bruchstellen zu lenken.

Ein Hauptinteresse Christoph Szalays gilt jenen Zonen atmosphärischer Ambivalenz, in denen sich objektivierbare Weltkonstruktion und subjektive Erfahrung einander überlagern. Analog zu solcher perspektivischer Undezidiertheit organisiert der Dichter seine Texte bevorzugt nach Prinzipien des Zyklischen und Kaleidoskopischen. Die sprachliche „Choreographierung“ von Wahrnehmungs- und Erinnerungsräumen erscheint als unabgeschlossener Prozess. In seinem aktuellen work in progress Rosa Flamingos etwa lässt Szalay poetische Ich- und Weltbefunde um Leitbegriffe wie „Schatten“, „Rauschen“, „Flimmern“ oder „Flüstern“ kreisen und formt solcher Art poetische Gebilde von raffiniert kalkulierter Offenheit. Szalays Gedichte treten mit ihrem auf luzide Weise hergestellten mehrdeutigen Eigen-Sinn jener verbreiteten Manier bedeutungsvernebelnder Beliebigkeit entgegen, die nach wie vor die Masse der Lyrikproduktion beherrscht. Nicht zuletzt ist es der methodenbewusste Umgang mit sprachlichem Material, der die Mitglieder der Jury an den Arbeiten Christoph Szalays, der mittlerweile zu den avanciertesten Lyrikern seiner Generation zählt, beeindruckte.


Bisherige StipendiatInnen:


2013: Sophie Reyer, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Helmut Schranz
2012: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Olga Flor, Christian Winkler
2011: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Angelika Reitzer, Dr. Max Höfler
2010: Natascha Gangl, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Lilly Jäckl
2009: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Gabriel Loidolt, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Mike Markart, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Martin G. Wanko
2008: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Georg Petz, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Günter Eichberger
2007: Gabriele Kögel, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Andrea Stift,
2006: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Wilhelm Hengstler, Bernhard Tockner
2005: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Sonja Harter, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Angelika Reitzer
2004: Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Maga Olga Flor, Digitale Visitenkarte am KulturServerGraz Gerhild Steinbuch

Vergabekriterien


"Vergabekriterien für das Literaturstipendium"


KONTAKT:
Brigitte Soltys
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel: +43/316/872/4924
Fax: +43/316/872/4909
e-mail: brigitte.soltys@stadt.graz.at

ABTEILUNGSVORSTAND
Dr. Peter Grabensberger
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4900
Fax: +43/316/872-4909
e-mail: peter.grabensberger@stadt.graz.at