Literaturstipendien
In der ersten Kulturbeiratssitzung am 4. März 2004 wurde über die
Vergabe von Stipendien der Stadt Graz diskutiert und im besonderen
ein Literaturstipendium angeregt.
Noch im selben Jahr wurde diese Anregung aufgenommen und umgesetzt: Die
Stadt Graz vergibt jährlich je nach Budgetlage bis zu zwei Literaturstipendien.
2012 in der Höhe von je € 10.000,--.
Ziel ist die Förderung von Grazer literarischen Talenten bzw.
jener LiteratInnen, die dadurch die Möglichkeit erhalten sollen, sich
intensiv der Fertigstellung eines literarischen Werkes zu widmen. Die
StipendiatInnen erklären sich bereit, innerhalb eines Jahres ihre
literarische Arbeit im Rahmen einer Lesung der Öffentlichkeit zu
präsentieren und dieses Stipendium in ihren Biografien stets anzuführen.
Jury
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Dr. Markus Jaroschka
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Drin Alexandra Millner
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Mag. Paul Pechmann
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Dr. Rüdiger Wischenbart
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Maga Drin Andrea Wolfmayr
Aktuelle StipendiatInnen:
Die StipentiatInnen 2011 sind Frau
MagaAngelika Reitzer und Herr
Dr. Max Höfler.
Jurybegründungen:
Angelika Reitzer hat in den letzten fünf Jahren durch drei Buchpublikationen auf sich aufmerksam gemacht: In den beiden Romanen „Taghelle Gegend“ (2006) und „unter uns“ (2010) sowie dem Prosaband „Frauen in Vasen“ (2007) überzeugt sie durch eine klare und sachliche Sprache, mit der sie dichte Atmosphären und intensive Bilder von nachhaltiger poetischer Kraft schafft.
Indem sie diese durch Perspektivenwechsel und einer beinahe filmisch wirkenden Schnitttechnik bricht, dringt sie hinter den schönen Schein der Gesellschaft vor. Ihre Figuren – es sind meist Frauenfiguren, die im Zentrum des fragmentarisch erzählten Geschehens stehen – sind zwar in einem konkreten Hier und Jetzt einer liberalen Wohlstandsgesellschaft verankert, doch befinden sie sich je auf einer diffusen Suche, der ihren Blick auf die Umgebung schärft.
Angelika Reitzer gelingen in ihrer Prosa feine, kritische Porträts gesellschaftlicher Segmente, von jungen Künstlerinnen bis dominanten Großmüttern, von Freundschaften in Schwebe und Freundeskreisen, die am Problem eines Einzelnen scheitern.
Doch sie schreibt auch Lyrik und dramatische Texte; sie ist eine produktive Schriftstellerin, deren einprägsame Stimme aus der österreichischen Literaturlandschaft nicht mehr wegzudenken ist.
Max Höfler trat in der literarischen Öffentlichkeit der Stadt Graz und darüber hinaus seit nunmehr rund 10 Jahren als origineller Sprachakrobat in Erscheinung, der mit Elementen aus unterschiedlichen Formtraditionen raffiniert zu jonglieren weiß. Trotz ihrer rhetorischen Exzentrik sind Höflers Sprachspiele keineswegs selbstzweckhaft: In Bezugnahme auf den Dadaismus und die Nachkriegs-Avantgarde (Wiener Gruppe) setzt der Autor sprachsatirische Verfahren mit Kalkül zur Durchleuchtung landläufiger Wirklichkeitskonstruktion ein.
Während sein Debütroman „texas als texttitel“ (erschienen im Ritter Verlag, 2010) männlich-chauvinistische Geschichtsbilder und damit assoziierte, die gesellschaftlichen Widersprüche übertünchende Erzählweisen aufs Korn nimmt, setzt sich Höfler in dem – in Auszügen für das Literaturstipendium der Stadt Graz eingereichten, bislang unpublizierten ‑ Text „wies is, is“ mit der bewußtseinssteuernden Wirkung von Mythen auseinander, die darauf abzielt, den Krieg als naturgegebenes Verfahren zur Konfliktbewältigung zu legitimieren. Das Skandalöse am Bewußtseinsschwindel der Sagen liege laut Höfler darin begründet, dass sich die ihnen immanenten martialischen Haltungen seit jeher und ungebrochen tagtäglich in unsere Gehirne ‑ und das vom Kindesalter an ‑ einschleichen.
Aus der Dekonstruktion des Mythos vom Krieg als Naturgesetz folgt für Max Höfler naturgemäß die Zersetzung vermeintlich „naturgegebener“ Erzählformen.
Um herkömmliche Weisen der Narration zu unterlaufen, bedient sich der Autor in „wies is, is“ folgender Strategien: Da ist zum einen die verschachtelte Konstruktion seines Prosatextes, der gleichsam als ein im Entstehen begriffenes „komödienstück“ eingerichtet wird, zum anderen die Exotik der Stoffwahl in bezug auf die „Binnenerzählung“, die Material aus der altindischen Sage um den Gott Rama und den kriegerischen Affenkönig Hanuman („Ramajana“) verwendet. Als augenfälligste Strategie der Verfremdung erweist sich freilich das Sprachkostüm des Erzählers: Dessen Neigung, brachiale Gewalt comic-haft zu überzeichnen, seine vorgeschützte Naivität und vermeintliche stilistische Schnitzer (unnötige Wortwiederholungen, Pleonasmen, schiefe Vergleiche etc.) gemahnen an jenen Informations- und Sprachbrei, der dem Bewußtsein jedes einzelnen tagtäglich verabreicht wird und somit einer „Infantilisierung“ der Gesellschaft Vorschub leistet.
Die eingereichten Textausschnitte von „wies is, is“ überzeugten die Jury mehrheitlich als innovativer Beitrag zu einer sprachsatirisch inspirierten, ideologiekritisch geschärften Dichtung, die sich an den Errungenschaften der Avantgarden früherer Epochen nicht einfach vorbeischwindelt, als wären diese ephemäre Randerscheinungen gewesen, die man endlich abhaken könne.
Bisherige StipendiatInnen:
2010: Natascha Gangl,
Lilly Jäckl
2009:
Gabriel Loidolt,
Mike Markart,
Martin G. Wanko
2008:
Georg Petz,
Günter Eichberger
2007: Gabriele Kögel,
Andrea Stift,
2006:
Wilhelm Hengstler, Bernhard Tockner
2005:
Sonja Harter,
Mag. Angelika Reitzer
2004:
Maga Olga Flor,
Gerhild Steinbuch
Vergabekriterien
"Vergabekriterien für das Literaturstipendium"
KONTAKT:
Brigitte Soltys
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel: +43/316/872/4924
Fax: +43/316/872/4909
e-mail:
brigitte.soltys@stadt.graz.at
ABTEILUNGSVORSTAND
Dr. Peter Grabensberger
Kulturamt der Stadt Graz
Stigergasse 2 (Mariahilfer Platz), 2. Stock, A-8020 Graz
Tel.: +43/316/872-4900
Fax: +43/316/872-4909
e-mail:
peter.grabensberger@stadt.graz.at